Tour 11/2018
40 Jahre nach einem glücklichen Zufall
Als wir am frühen Abend des 19. August 2018 die Buschmühle im Kirnitzschtal erreichten, lagen zwei tolle Klettertage hinter uns. Sie waren ein komplettes Paket des Felskletterns: Erfolg, Fortschritt, Misserfolg – und doch ein besonderes Gipfelglück.
Wir hatten gerade angestoßen, da holte Almuth einen selbstgebastelten Minifelsen aus der Tasche und an dem stand es: „40 Jahre Klettern im Elbsandstein“
Wer diese Webseite kennt, kennt vielleicht auch meine Geschichte, wie ich am 19. August 1978 durch einen Zufall zum Bergsteigen gekommen bin - hier kannst du sie nachlesen! Als mir vor einigen Monaten aufgefallen war, dass das nun genau 40 Jahre her ist, stand fest: an diesem Jubiläum soll geklettert werden und zwar genau dort, wo es begonnen hatte, am Kleinen Spitzen Horn im Großen Zschand!
Bereits am Samstag war es ins Bielatal gegangen. Hier hatte ich eine besondere Tour im Auge, ich wollte die Talwand, VIIa, am Kubulus steigen. Selbst als wir dort angekommen waren und die Kletterausrüstung angelegt hatten, war ich noch hochmotiviert. Aber als ich in der Aufwärmtour, der Botanikerkante, IV, die ich nur wenige Tage zuvor problemlos durchstiegen hatte, richtig Probleme bekam, war es mit der mentalen Stärke vorbei. Zwar habe ich diese Route geschafft, aber an den Vorstieg einer VIIa war nicht mehr zu denken. Egal, dann ging es eben für alle von oben gesichert durch die Talwand und so hatten Katrin, Almuth und Steffen schließlich ihre erste sportlich erstiegene VII-er-Route im Tourenbuch.
Almuth legte für sich persönlich anschließend noch ein Schippchen drauf: im Aufwärtswind der letzten Touren und dieses Tages stieg sie einfach mal mit der Kleinen Geigelei am Zauberberg ihre erste V vor!
Dann aber war es soweit, es war der Tag 40 Jahre danach!
Am Zeughaus vorbei ging es über den traumhaft schönen Goldsteig zum Kleinen Spitzen Horn. Wie damals sollte es über den Alten Weg (damals I, inzwischen aufgewertet auf II), den ich Anfang der 80er Jahre auch zweimal free solo gestiegen war, auf den Gipfel gehen.
Ich weiß nicht, was es war: Respekt vor der Zeit und oder dem Gipfel, der etwas heftige Bierabend tags zuvor … es ging nicht! Nach drei Metern bin ich den Einstiegskamin wieder runtergerutscht, es war nicht mein Tag! Steffen wollten den Vorstieg übernehmen, kam etwas höher, dann aber genauso nach unten, wie ich. Unsere Unsicherheit hatte auf das ganze Team abgefärbt – 40 Jahre nach meiner ersten Klettertour habe ich in genau der einen „Sack aufgehängt“. Ist doch der Hammer oder?
Aber vielleicht lag es an dem, was jetzt kam: denn für einen echten Quackenstürmer gehört eins zum Jubiläum: eine echte Quacke! Wie konnte ich das übersehen!
Und so standen wir wenig später an der vielleicht quackigsten Quacke des Großen Zschands, dem Waldgeist. Die Bilder hier sprechen für sich!Unser Jubiläums-Gipfelbucheintrag auf dem WaldgeistÜber den botanisch wertvollen Alten Weg III ging es dann doch noch auf einen Jubiläumsgipfel, auf den meine Freunde glatt eine Flasche Sekt bugsiert hatten – ein schöner Moment, da schmeckt Sekt auch aus Plastikbechern ;)
Mit einem Abstecher an die beeindruckend schöne Goldsteigaussicht ging es zurück ins Tal und zum gemeinsamen Abendessen in die Buschmühle.
Hier ließen wird dann das heute in die Welt gerufene „Berg heil“ verklingen, genau 40 Jahre nach einem der mit Sicherheit schönsten und wertvollsten Zufälle meines Lebens
Unser Team beim Start ins Jubiläumswochenende