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  • Neiße-Oder-Radweg - Teil 1, von Zittau nach Frankfurt/Oder

Vor dem Start Oder-Neisse-Radweg in ZittauAuf dem Neiße-Oder Radweg 
Von Zittau bis Frankfurt/Oder - 02.08. bis 04.08.2011

Obwohl wir von Hause aus alle eingefleischte Radfahrer sind, das Fahrrad zu den alltäglichen Fortbewegungsmitteln gehört und auch schon so manche längere Radtour absolviert worden war, sind (oder waren) wir eines nicht: Radtouristen.
Da war uns bisher nur geblieben, den Geschichten unserer Freunde zu lauschen.
Aber bekanntlich geht Probieren über Studieren!
Und so standen wir gemeinsam mit Christiane und Max am späten Vormittag des 02.08.2011 auf dem Bahnhof in Zittau, kühn entschlossen, in drei Tagen mit dem Rad nach Ratzdorf bis zur Mündung der Neiße in die Oder zu radeln. Zunächst wollten wir 40 km bis Görlitz einradeln, am zweiten Tag
dann knallhart bis Pussack durchziehen und schließlich mit letzten Kräften Ratzdorf und den nächstgelegenen Bahnhof erreichen. Insider werden dieses „verwegenen“ Planes wegen lächeln, wir tun es inzwischen auch. Denn wir hatten uns und unsere Fahrzeuge deutlich unterschätzt …

Tag 1
Nach einem Abstecher in das Zittauer Stadtzentrum steuerten wir zielgerichtet auf den Neißeradweg, zogen uns dort unsere Radkleidung an – vorher wären wir uns „zu blöd“ vorgekommen, und los ging es.
Zunächst war ich des Weges wegen ziemlich sauer. Neißeradweg? Von Neiße keine Spur, schön brav an der Bundesstraße in Richtung Görlitz ging es entlang.
Aber dann: Hirschfelde entpuppte sich als ein niedliches Örtchen, das den mir erinnerlichen Ruf eines stinkenden Kraftwerkes schon lange nicht mehr hat. Und dann endlich die Neiße, und was für Neiße: die Kilometer bis Ostritz führen durch ein wildromantisches Tal und werden durch die Ostritzer Klosteranlage krönend abgeschlossen. Im Kloster Ostritz muss man einfach halt machen, nicht nur des Klosterbräus wegen.

Im Neissetal, kurz hinter Hirschfelde - eine überraschend schöne Strecke, man kommt sich fast vor, wie im Gebirge.

Trotz diverser Geocaches lief auch die Weiterfahrt bestens. Sperrungen wegen Hochwasser wurden einfach und erfolgreich ignoriert, Hagenwerder war bald passiert und nach einem herrlichen Blick auf die Landeskrone rollten wir durch ein abermals herrliches bergiges Neißetal in Görlitz ein.
Es war noch nicht einmal 16 Uhr!
Also weiter ging es! Wer die Strecke noch nicht kennt: gleich hinter der Peterskirche in Görlitz kommt ein echtes Highlight, nämlich ein Anstieg, der sich gewaschen hat. Während der gepäcklose Max locker durchradelte, wurde ich Opfer eines Schaltfehlers und Christiane deswegen ausgebremst. Wanderpassage!
Aber dann rollte man gemütlich durch niedliche Dörfer, ist schon bald an der Kulturinsel Einsiedel und schließlich in Rothenburg.
Hier machten wir dann nach 69,59 km in 5:02 Std. reiner Fahrzeit, also 30 km über dem Plan, Rast und Tagesende in der wirklich zu empfehlenden Pension Neißeaue, direkt am Radweg am Ortsausgang Rothenburg gelegen.

Tag 2
Klar war von vornherein, das Pussack nun nicht mehr als Tagesziel gelten kann, die Strecke dorthin war zu kurz. Aber Forst, Heimatstadt und Stadt der Eltern. Nee, da konnten wir nicht in einer Pension oder einem Hotel schlafen, wir mussten durch – bis Guben.
Der Radweg verläuft nach Rothenburg landschaftlich reizvoll weiter bis Bad Muskau. Unterwegs sollte man unbedingt Halt an der Fachwerkkirche in Pechern machen, einfach im Nebenhaus klingeln und man bekommt eine tolle Führung durch dieses wunderschöne Bauwerk.
Wer sich im Muskauer Park verfährt, hat einen kräftigen Anstieg mehr. Das ist uns herausragend gut gelungen ;)
Schon bald war Pussack durchquert, und nach einer Rast in Zelz waren wir auf den heimatlichen Lauf- und Wettkampfstrecken unterwegs.
Unser altes „Forschte“ war viel zu kurz, denn schon bald saßen wir bei einer Rast in Briesnig.
Puhh, das war schon reichlich weit für heute, aber längst war Guben zum erklärten Tagesziel geworden.
Tatsächlich saßen wir nach ca. 104 km mitten in der ehemaligen Wilhelm-Pieck-Stadt und waren zugegebenermaßen „breit“.
Ein Quartier musste her! Klar, dass wir ohne Blick auf Alternativen noch einige Kilometer weiter nach Groß Breesen in das „Landhotel Waldow“ radelten, dessen „aggressiver Werbung entlang des Radweges bei uns vollen Erfolg hatte.
Nach 109,4 km in 6:04 Std. reiner Fahrzeit fielen wir dort auf die Matten.
Dieses Hotel können wir aber nicht empfehlen. Zwar scheint dort halbwegs preisgünstig immer Platz für Radfahrer zu sein, aber die Zimmer sind derart hellhörig, dass man die „Geschäfte“ der Nachbarn deutlichst mit verfolgen kann und mit dem Frühstücksbuffet ist das Personal überfordert. Sucht nach Alternativen, die, wie wir im Nachhinein feststellen mussten, gar nicht so weit weg sind.

 
Videozusammenschnitt (ca. 15 min) dieser Tour auf YouTube

Tag 3
Im Prinzip hatten wir kurz vor Ratzdorf geschlafen! Genüsslich radelten wir also gegen 9:30 Uhr am erklärten Tourziel ein und waren „stolz wie Oskar“!
Keineswegs war vom nächsten Bahnhof die Rede, nein: Frankfurt/Oder musste doch zu schaffen sein! Und es war!
Auch wenn das Wetter nicht so herrlich war, wie an den Tagen zuvor, kamen wir ohne Regen davon, Radelten gemütlich über Eisenhüttenstadt, Aurith und Brieskow-Finkenherd in die große Oderstadt ein.
Nach  59, 36 km in 3:25 Std. reiner Fahrzeit schossen wir unser Zielfoto am Oderufer und waren uns einig:
Ab genau dieser Stelle geht es im kommenden Jahr weiter – an die Ostsee!

Jetzt sind wir halt auch Radtouristen ;)

* * *



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