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  • Jägerstein Ultra 2013 - Von Fröttstädt auf den Schneekopf

Jägersteinultra Bier im Ziel auf der SchmückeEs gibt Läufe, bei denen fragt man sich mittendrin manchmal: was tust du hier eigentlich!?
Es sind genau diese Läufe, die später unvergesslich bleiben. Unser letztes Abenteuer dieser Art war der

Jägersteinultra 2013
Ein Lauf, bei dem Volker meine Augen war.

Samstag, 14. Dezember, ca. 18:40 Uhr:
Volker bleibt plötzlich stehen, guckt auf sein Garmin. „Wir sind falsch, der Track ist weg!“ 
„Das kann doch nicht sein!“
„Doch! Guck mal, der ist hier oben, wir müssen zurück!“
Verdammte Kiste, mühevoll geht es ca. 300m wieder leicht bergauf, das war dann der dreizehnte Verhauer des Tages.

Aber egal, wir waren guter Dinge, denn wir hatten ihn geschafft, den „Jägersteinultra 2013“, einem Ultratrail über gut 70 km mit ca. 2200 Höhenmetern durch den winterlichen Thüringer Wald. 
Gerade hatten wir ihn berührt: den Jägerstein, das Ziel dieses Tages!
Da war dieser Verhauer beim Abstieg zur Schmücke mit einem Lächeln hinzunehmen.

Nach einigen tollen Laufaktionen 2013, insbesondere aber nach unserem Rennsteig-Nonstop, hatten wir einen gemeinsamen läuferischen Jahresabschluss gesucht. Mit dem Jägersteinultra war ein echter Hammer gefunden worden und wir waren glücklich, zwei der begehrten Startplätze ergattert zu haben.

Allerdings hatte dieser Lauf seine Besonderheiten:
Anders als üblich gab es hier keine markierte Wettkampfstrecke, sondern einen in Fröttstädt beginnenden GPS-Track, dem man folgen musste, um schließlich nach ca. 70 km den Jägerstein auf dem Schneekopf, dem zweithöchsten Gipfel des Thüringer Waldes, zu erreichen. Das ist theoretisch eigentlich kein Problem, aber nur eigentlich. Denn dichter Wald, hohe Berge, Felsen und tiefe Täler – da sieht es mit dem GPS-Empfang nicht immer goldig aus, vor allem dann, wenn es immer wieder nicht auf den Hauptwegen, sondern eben als Trail auf schmalen Pfaden durch das Gelände geht! Wenn sich dann auch noch das GPS-Gerät hin und wieder „aufhängt“, ist das Chaos perfekt. Was heißt hier „ist“, es war es!

Jägersteinultra  Start in Fröttstedt Jägersteinultra  Waltershausen Jägersteinultra  Ultratrail Jägersteinultra  Teilnehmer 

So waren wir mit Volker zwar trotz der zahlreichen Verhauer gut, aber deutlich langsamer als gedacht voran gekommen. Immer wieder stehen bleiben und den Weiterweg suchen, steile An- und Abstiege, Schnee und Eis taten ein Übriges. Schon bald hatte es sich bitter gerächt, dass wir in der zweiten Startgruppe um 7 Uhr aufgebrochen waren. Denn die anderen waren zu schnell für uns, machten später die Tagessieger unter sich aus.
Damit waren wir schon nach wenigen Kilometern allein und das ohne ein Fünkchen Ortskenntnis.
Da hatten es die 6-Uhr-Starter deutlich besser: hier hatten sich Grüppchen gebildet, gemeinsam war man eben doch fündiger und damit zügig unterwegs.

Nach 7:11 Stunden hatten wir endlich Kontrollpunkt 2 bei km 49, nahe Oberhof, erreicht. Nur mal zum Vergleich: Volker braucht für die knapp 73 km Rennsteiglauf nur 30 – 45 min länger!!! Aber hier sah die Welt eben anders aus.

Jägersteinultra  Gunter Rothe VP Jägersteinultra  Felsentor im Thüringer Wald Jägersteinultra  Winterultralauf Jägersteinultra  vorbei am Falkenstein

Jägersteinultra  Winterlauf am Rennsteig Jägersteinultra  Aldo Bergmann Jägersteinultra Volker im Modder Jägersteinultra  am VP bei km 49 Oberhof

Doch nun war es fast geschafft, schlappe 21 km noch, da könnten wir bei 10 Stunden etwa im Ziel sein. Tatsächlich lief es auf den nächsten ca. 9 km auch flott und locker – bis wir dann wieder einmal im Wald standen: Sch… wo geht es lang! Es werden mindestens 15 min gewesen sein, als wir uns entschieden hatten, einfach einem kleinen „Bergpfad nach Gehlberg“ zu folgen. Und siehe da, wenig später hatte unsere Technik ihren Streik beendet, wir waren richtig.
Nur an zügiges Joggen war nicht mehr zu denken, denn bei leichtem Schnellfall, glatten Steinen und Wurzeln und der Ausgesetztheit des Pfades (Siehe Fotos) entschieden wir uns für schnelles Gehen. Fast eine Stunde hatte es gedauert, bis wir endlich diese knappen 4 km hinter uns hatten.

Nun nur noch hoch zum Ziel! Dieses „Nur noch“ war uns schneller vergangen, als ausgesprochen. War der Weg anfangs sauglatt, standen wir wenig später bei inzwischen absoluter Dunkelheit vor einem Absperrband – Wind- und Schneebruch. Hm, aber der Track führt hier durch! Also rein.
Kurz gesagt: jetzt sind wir Hänge hoch- und runter geirrt, über, unter, durch umgestürzte Bäume gekrochen – und waren endlich endlich wieder auf einem Weg. Und jetzt war der Gipfel direkt über uns – herrlich!

Jägersteinultra  Weg nach Gehlberg Jägersteinultra  Autobahnbrücke Jägersteinultra  Singletrail Geierfelsen Jägersteinultra  Rast bei Einbruch der Dunkelheit

Jägersteinultra Windbruch auf der Strecke Jägersteinultra  Aufstieg durch die Wolfsschlucht Jägersteinultra Jägerstein Jägersteinultra  am Jägerstein auf dem Schneekopf

Zufrieden stapften wir im Schnee einen breiten Fahrweg entlang und machten und lustig über den Namen „Die Hölle“, so hieß das letzte Stück, hatte man uns gesagt.
Die Hölle hatten wir ja wohl gerade hinter uns … und wieder war der Track weg!
Mit offenem Mund standen wir dann an der Stelle, wo er abgebogen war und schauten nach oben: das konnte nicht wahr sein! Das Ziel war zwar zum Greifen nahe, nur eben noch viele Höhenmeter über uns. Mühevoll quälten wir uns im tiefen Schnee aufwärts, immer wieder mit den Füßen oder Stöcken einbrechend, eine Quälerei vom Feinsten.

jagersteinAber alles hat bekannterweise ein Ende, irgendwann legte sich der Anstieg, es ging wenige Meter abwärts – und da stand er, der Jägerstein! 
Wir waren 11:28 Stunden unterwegs, davon über 4 Stunden für die letzten 21 km!

Als wir nach dem letzten Verhauer des Tages dann endlich den Gastraum der Schmücke betraten, wurden wir vom Beifall der bisherigen Finisher empfangen, später saßen wir bei ihnen und spendeten auch unseren Applaus denen, die da noch durch die Nacht kamen.
Und wir feierten im Kreise Gleichgesinnter ein großartiges Event, unseren Erfolg und die Erfolge der anderen!

Danke Volker, für diesen tollen Lauftag und Deine harte Arbeit am GPS-Gerät, ich blindes Huhn wäre ohne dich hier aufgeschmissen gewesen! Und hin und wieder das Rennsteiglied vorgesungen zu bekommen, war auch ganz nett ;)

Und besonderer Dank an Gunter Rothe und Michael Frenz als die Veranstalter: ihr habt uns allen ein tolles Gesamtpaket geliefert, das Seinesgleichen sucht!

Nachsatz:
Ich habe unseren Track, den wir mit Volker absolviert haben, via Runrastic aufgezeichnet und die Funktion, Pausen ausstoppen, gewählt.

Das führt dann neben der offiziellen Wertung am Jägerstein, zu folgendem Ergebnis:
70,5 km in 9 Std. 45 min reiner Laufzeit (bis Schmücke), Pausenzeit: 2 Std. 14 min. Rechnet man von der pauschal 30 min für Standzeiten an den zwei Verpflegungspunkten und für diverse Bedürfnisse ab, haben wir ca. 1 Std. 45 min für Wegsuche verschenkt.
Die zumindest hätte man beim nächsten Mal schon gespart ;)

 

 Unser Track mit allen Verhauern:

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