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dibonakante große zinneGroße Zinne, 2999 m
Dibonakante (IV+/V- / eV-)

Über den Normalweg hatten wir den Gipfel dieses traumhaften Berges bereits erreicht, aber in "Ruhe gelassen" hatte uns die Große Zinne noch lange nicht! Denn die Dibonakante, die Nordostkante, hatte mit ihrer steilen, ausgesetzten und beeindruckenden Linienführung am Rande der berühmten Nordwand unser Interesse geweckt. Und wir haben den Weg über diese Kante gewagt.

 

 

Fahne ItalienTalort und Ausgangspunkt:
Cortina d'Ampezzo, Missurina,  Auronzo-Hütte (mautpflichtige Straße)

Anforderungen:
IV+ (direkt V-), überwiegend III, (eV- in der Ernsthaftigkeitsbewertung)
Kletterlänge: 650m, Kletterzeit: Angabe lt. Führer 4 Std., wir haben mit mehreren teils langen Pausen  12  Std. gebraucht.

Der Zustieg:
Vom Parkplatz an der Auronzo-Hütte, 2330m, auf hervorragendem Weg zum Paternsattel und von dort auf ausgetretenem Pfad unter der Nordwand der Kleinen Zinne vorbei direkt zum Fuß der Kante, ca. 1 Std.

Die Route:
Man steigt ca. 15m links der eigentlichen Kante in einen Riss ein, folgt ihm bis auf einem Absatz und steigt von hier über eine Rippe weiter. Dann im Prinzip immer knapp links der Kante folgend aufwärts. Etwa 18 Seillängen.
Eine gute Beschreibung der Seillängen findet sich in "Alpenvereinsführer Sextener Dolomiten extrem", ein sehr gutes Topo in "Dolomiten vertikal" (Quellen siehe unten)

Abstieg:
Absteigen und abseilen über den Normalweg, ca. 3 Stunden bis zum Wandfuß, weitere 30 min zum Parkplatz

Absicherung:
Wir haben nur im ersten Aufschwung (ca. 110 hm)  Schlingenstandplätze gefunden. Dann muss man sich um Standplatzbau und Sicherung selbst bemühen. Normalhaken (teilweise furchterregend rostig) stecken allerdings reichlich. Klemmkeile, Friends und einige Haken, sowie ausreichend Schlingenmaterial sind unbedingt erforderlich.

Unsere Bewertung
Eine phantastische Bergfahrt auf einen großartigen Gipfel. Den Hauptschwierigkeiten im ersten Aufschwung sind knackig, wenn man wie wir, erstmals in diesem Schwierigkeitsgrad unterwegs ist. Konditionell sollte man gut gerüstet sein - für uns bleiben die 4 Stunden Richtzeit im Kletterführer ein echtes Rätsel!

Literatur: Anette Köhler / Norbert Memmel, Kletterführer Dolomiten, Bergverlag  Rother, ISBN 3-7633-3015-1 (Auch als Touren-Disk erhältlich,  Titel: "Felsenparadies Dolomiten, 106 mal Klettergenuss zwischen III und VII")
Goedeke, "Alpenvereinsführer Sextener Dolomiten extrem", Bergverlag  Rother, ISBN 3-7633-1255-2
"Dolomiten vertikal", Band Nord, Stefan Wagenhals & Freunde, ISBN 3-934650-01-5, - top!

Karte: Kompass 625, Sextener Dolomiten, ISBN 3-87051-749-2;

Unser Team am 20.07.2005: Thomas Herrmann und Aldo Bergmann.

Die innere Unruhe beim Betreten des Paternsattels lässt sich kaum beschreiben. Da standen wir nun in der kühlen Morgenluft und bestaunten den Sonnenaufgang in der Nordflanke der Drei Zinnen. Und wir staunten zugleich über die Mächtigkeit der Dibonakante, denn in unserer Erinnerung war sie wesentlich weniger gewaltig. (Bild 2) Als wir dann kurz darauuf direkt am Einstieg standen, kamen Zweifel auf: waren wir diesem Unternehmen wirklich gewachsen? Diese Zweifel führten zum Zögern und damit auch dazu, dass zwei weitere Seilschaften, die nach uns am Einstieg angekommen waren, vor uns in die Kante stiegen. (Bild 3 - der Einstiegsriss, oben rechts der erste Absatz in ca. 20m Höhe) Wenig aufbauend war es dabei zu erleben, dass eines der beiden Teams mit der Erklärung, dass heute nicht ihr Tag sei, schon am ersten Absatz wieder abseilte.

Egal: es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Da Thomas sich am Vortag an den Cinque Torri als der technisch und mental stärkere Kletterer erwiesen hatte und Aldo der konditionell stärkere ist, war die Arbeitsteilung klar: Thomas steigt vor, Aldo trägt den (schweineschweren) Rucksack mit Kleidung, Ausrüstung und reichlich Wasser durch die Wand. Und dann waren wir unterwegs.
Unsere Zweifel wurden auf den ersten vier Seillängen, ca. 110m, nicht geringer. Das Gelände dort ist steil und schwer, klettertechnisch wird alles abverlangt, was man sich vorstellen kann., vom Riss bis zum Überhang. Doch schon bald war die erforderliche innere Ruhe gefunden, sich auf das, was man kann, besonnen und der schwere erste Aufschwung  geschafft (Bild 4 - senkrecht geht es die ersten vier Seillängen aufwärts)

Dibonakante vom Paternkofel gesehen dibonakante große zinne zustieg dibonakante einstiegsriss dibonakante erste vier seillängen

Es geht dann zwar deutlich einfacher  immer schön an der Kante entlang weiter, aber zu unser Überraschung folgten immer wieder knifflige Passagen, so zum Beispiel ein bissiger Überhang (Bild 5). Bilder 6, 7 und 8, schon im oberen Wandteil, machen den Wechsel zwischen "gemütlichen" und steilen Passagen deutlich. Zu Bild 5: Endlich mal "Spaziergelände", Thomas sichert aus einer bequemen Höhlung - darüber aber wieder senkrechte Wand. Zu Bild 7: Die Sattelhöhe der Kleinen Zinne (links hinten) ist erreicht, aber wir stecken noch mitten in unserer Tour - Fototime vor der nächsten Steilwand. In dieser Tour war uns allerdings überwiegend nicht nach fotografieren. Und das kommt selten vor! ;)

dibonakante schwerste stelle dibonakante fünfte seillänge dibonakante höhe sattel kleine zinne dibonakante große zinne thomas Herrmann

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Übrigens haben wir die Lösung für die schweren Stellen später erfahren: wir waren die Kante, mit Ausnahme der letzten 60 hm vor dem Ringband, direkt geklettert und damit im V- -  Gelände. Im klassischen Durchstieg quert man nach der 10. Seillänge 30m nach links in die Wand und steigt in einem Rinnensystem weiter. Das hatten wir schlichtweg übersehen.

Egal: auf  Bild 9 sind 10 Stunden seit dem Start vergangen, Thomas genießt eine verdiente Pause auf dem Ringband. Die Wand im Hintergrund vermittelt einen Eindruck von der Steilheit des Geländes, in dem wir uns den ganzen Tag bewegt hatten.
Die restlichen Fotos erklären sich fast von selbst:Thomas auf den letzten leichten Metern zum Gipfel, dann einfach nur Freude nach unserem bisherigen größten Klettererfolg in den Alpen. (Gipfelzeit: 19:25 Uhr)
Das letzte Bild ist während des Abstiegs vom Ringband aus aufgenommen worden: die Cadinispitzen im Sonnenuntergang. Das solchen Anblicken atmet die Seele ordentlich durch!
Der Abstieg selbst hat dann noch drei Stunden gedauert und die letzten Meter mussten mit Stirnlampe abgeseilt werden. Um 0:00 Uhr waren wir wieder am Auto, um 1:00 Uhr im Quartier. Und da saßen wir dann, 21 Stunden nach unserem Start, schweigend, durchgeschwitzt, Bier schlürfend - todmüde und glücklich. Wir waren ganz einfach von der Mächtigkeit der Erlebnisse dieses Tages erschlagen ...



 

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