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Abstieg vom TeichsteinTour 07/2023 – Schneereicher, gesungener, ungeahnter Start in den Advent

Gegen 23 Uhr dieses Samstagabends, dem Vorabend des 1. Advent 2023, wurde es plötzlich still im Wirtshaus. Fast alle Lichter wurden gelöscht, nur über dem runden Tisch in der Mitte brannte eine Lampe, Kerzen flackerten auf den Tischen. Einige Gäste, wohl Mitglieder der Bergfinken, des Bergsteigerchors des SBB*), hatten sich erhoben und begannen nun mehrstimmig eine sanfte Ode an die Bergheimat, an den Winter in der Sächsischen Schweiz zu singen. Beeindruckend schön!

Schon oft hatten wir von diesem traditionellen und legendären Abend in der Buschmühle gehört, dem Stollenanschnitt, dem besonderen Beginn der Advents- und Weihnachtszeit. Ein rauschendes Fest soll er sein, zugleich aber besinnlich und würdevoll, sprudelnd und voller Heimatliebe.
Dort dabei zu sein ist allerdings nahezu unmöglich.

Im vergangenen Jahr wäre es dann zwar endlich erstmals möglich gewesen, da hatte ich dann allerdings ein sinnloses Auge in die Landschaft gemalt, ärgerlich: kein Stollenanschnitt und auch kein Zieleinlauf!

Bei unser diesjährig letzten Elbsandsteintour, als wir gemeinsam mit der Buschmüllerin auf dem Falkenstein waren, hatte sie uns dann erinnert: wenn ihr wollt, ich halte euch ein Zimmer frei!
Und ob wir wollten!

Bei sanftem Schneefall, der die gesamte Zeit nicht enden würde, rollten wir also am ersten Dezemberwochenende in die tief verschneite Sächsische Schweiz, in das ohnehin romantische, nun aber auch noch weiß verzauberte Kirnitzschtal.
Am Freitagabend hatte uns die Buschmüllerin erklärt, was uns erwarten würde, aha, das wird also ein langer Abend. Kurzerhand wurde die für Samstag geplante Wandertour deutlich verkürzt, Kraft sparen, rechtzeitig da sein, Platz sichern!

Buschmühle im Kirnitzschtal  Zustieg zur Buschmühle  Kreuzung Dreisteigensteig  Aufstieg zum Teichstein

Kettensicherung am Teichstein  Gipfelgrat am Teichstein  Aussichtspunkt auf dem Teichstein  Winter in der Sächsischen Schweiz 

Blick vom Teichstein auf Böses Horn links bis Hinteres Raubschloss, rechtsBlick vom Teichstein auf Böses Horn links bis Hinteres Raubschloss, rechts

Wunderschön war die kleine Winterrunde trotzdem, für mich zudem eine Rückkehr in die schon sehr ferne Vergangenheit: wir stiegen auf den Teichstein! Unterhalb, im Zeughaus, hatte 1978 mein Kletterleben begonnen, am 23.08.1978 hatte ich hier oben mit dem Teichsteinwächter meinen 14. Gipfel bestiegen, am 29.08.1979 war ich das letzte Mal an diesem Ort. Heute blickten wir durch den Schneegriesel in die winterliche Bergwelt, atmeten die tiefe Stille der verschneiten Landschaft. Powernapping für die Seele.

Als wir kurz vor 17 Uhr im sich langsam füllenden Wirtshaus saßen, wurde schon gesungen, den beiden Gitarren folgten weitere, dann zwei Akkordeons, ein selbstgebautes Tischschlagzeug, ein Keyboard … und Stimmen, Stimmen, Stimmen.
Ununterbrochen wurde gesungen, Volks-, Heimat-, Trink-, Bergsteiger- und allerlei sonstige Lieder, ein tatsächlich rauschendes Fest.
Um 23 Uhr aber wurde es besinnlicher, die Ode an die winterliche Sächsische Schweiz, eine kurze Geschichte zur Ehrung nicht mehr unter uns weilender Bergsteiger. Und dann, pünktlich zu 24 Uhr, hatte jeder ein Stück Stollen, angeschnitten war er also, einen Kaffee, alle erhoben sich und gemeinsam wurde ein Weihnachtslied gesungen …

 Abstieg vom Teichstein  Steintreppe am Teichstein  Forsthaus Zeughaus und Teichstein  Zeughaus im Großen Zschand



Eiszapfen an der Zeughausstraße  Neumannmühle im Kirnitzschtal   ein Hoch auf das Bier  Bergfinken beim Stollenanstich in der Buschmühle

Was für ein schöner Abend, was für ein würdevoller Beginn der Weihnachts- und Adventszeit, danke, danke, danke, dass wir das erleben durften!
Etwas verkatert aber gut gelaunt saßen wir am Morgen des 1. Advents beim Frühstück, schwatzen mit anderen Dagebliebenen, lachten, waren noch immer erfüllt von der Wucht der Veranstaltung … als ich mein Handy in die Hand nahm, irgendetwas wollte ich nachsehen, weiß nicht mehr was. Ich weiß nur noch, dass beim Start eine Nachricht aufpoppte, ich die ersten Zeilen las, mit offenen Mund Almuth ansah und ihr nach Luft ringend das Handy gab. Sie las, hob den Kopf, schaute mich nicht weniger entsetzt an …

Über den Inhalt werde ich hier keine Worte verlieren. Es war ja äußerlich auch nichts anders, die Stimmung im Raum war die gleiche, es schneite noch immer sanft, die traumhaft schöne Landschaft schien uns bei der Heimfahrt zuzulächeln. Aber neben der Erinnerung an einen einmalig schönen teilweise tränenrührenden Abend saß nun plötzlich ein ungeahnter tränenerfüllter Schmerz mit im Fahrzeug.

*) SBB – Sächsischer Bergsteigerbund

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