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intro-laufsportrennsteiglauf das logoVon Hause aus sind wir Hobbyläufer und es ist schon merkwürdig, dass das Thema Laufen zeitweise eine untergeordnete Rolle auf dieser Homepage gespielt hat. Aber seit etwa 2013 spielt es eine Rolle.
Nein, nein, bei den vielen Trainings- und Wettkampkilometern soll es hier keine langweildenden Reporte geben. Auf dieser Seite werde ich über das Besondere, die Höhepunkte unseres Laufsports berichten, nämliche einige Fotos,  Berichte oder Videos  zu/von außergewöhnlichen Läufen veröffentlichen.

Organisiert sind wir übrigens hier:
ultralaeufe-aldo-bergmannRennsteiglaufverein e.V.
Deutsche Ultramarathon Vereinigung e.V.
Klettersportverein Quackensturm e.V. Sektion des deutschen Alpenverein e.V.
Unterstütztz wird der regionale Laufsport insbesondere durch Gestaltung und Betreuung der Webseiten der regionalen Laufserien Niederlausitz-Cup und Fürst-Pückler-Pokal

KILL50 StirnlampenlaufGeKILLt vom KILL – trotz der dankeswerten Gnade des Sensenmannes

Die Aufgabe des Veranstalters klingt zunächst einfach: Du läufst 50 Meilen (etwas mehr als 80 km) und bist danach fette stolz auf Dich! Dann aber kommen die Details: gelaufen wird im November (macht nichts), Laufgebiet sind das Alfelder und Hildesheimer Bergland, Startzeit ist 17 Uhr (was, ein Nachtlauf?) und als Krönung: gelaufen wird nach topographischer Karte! Damit war ich blindes Huhn raus, denn das ist für mich alles andere als machbar, das ist kein idyllischer Landschaftslauf – KILL eben!

Jurasteig-Nonstop-Ultratrail JUNUT Leitplanke HohenburgJurasteig-Nonstop-Ultratrail 2016
Kein frühes Aus und kein schnelles Ende

Ich bin fast so aufgeregt, wie morgens am Start, als ich nach 78 Rennkilometern und fast 13 Stunden Renndauer in das Rettungsboot der Feuerwehr Matting steige. Es geht im Schein der Positionslampe durch die frühe Nacht an das andere Donauufer. Gute 92 Kilometer liegen noch vor mir und wichtig: ich bin unterwegs. Denn fast genau ein Jahr zuvor hatte es hier ganz anders ausgesehen. Ich war am Ende meiner physischen und mentalen Kräfte, mein Rettungsboot war damals der Rennabbruch und dir Rückfahrt ins Hotel. Aber mit der Erfahrung des Vorjahres war ich heuer früher und frischer hier – und ich war nicht allein unterwegs.

schneewittchentrail Ende der ersten RundeSpieglein, Spieglein an der Wand …
Schneewittchentrail 2016

Alfeld (Leine) ist ein beschauliches Örtchen an der Deutschen Fachwerkstraße, zu dessen Sehenswürdigkeiten auch die Sieben Berge gehören, die unverkennbar im Norden der Stadt aufragen. Dass diese sieben Berge nicht der Ursprung des Märchens „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ sind, steht zwischenzeitlich (wohl) fest, gleichwohl halten sich derartige Mythen hartnäckig.
Erfreulicherweise auch bei einem Team lebensfroher Ultraläufer, die aus eben diesen sieben Bergen und dem umliegenden Alfelder Bergland einen märchenhaften Ultralauf heraus gezaubert haben: den Schneewittchentrail. Ich hatte das Glück, am 12.03.2016 dabei sein zu dürfen.

Denn nur 75 Starter werden zugelassen, je Strecke 25. Ausschließlich mit einer echten Postkarte, also nix www, konnte man sein Interesse bekunden und auf Einladung hoffen. Und wie sollte es anders sein: mit einer von Kindern handgemalten Postkarte zum Thema Schneewittchen kam die Teilnahmebestätigung. Diese herzerwärmende Besonderheit setzte sich an vielen Stellen fort. Am Verblüffendsten für mich: bei der Anmeldung im Hotel zur Eule, das zugleich Unterkunft, Start- und Zielort ist, gibt es keine Startnummer. Das habe ich noch nie erlebt. Wozu auch, meint ein anderer Mehrfachteilnehmer, es kennen sich alle und spätestens, wenn du hier fertig bist, kennen sie auch dich. Das ist tatsächlich so, ab Anmeldung bin ich eben keine Nummer sondern „Aldo“, auf den Kontrolllisten unterwegs, an den Verpflegungspunkten, im Ziel.

Aber ins Ziel musste ich erst einmal.

Mit Respekt hatte ich die Internetseite der Veranstaltung gelesen, auf der Mario, der Streckenschöpfer, u.a. schreibt: „Starter auf der 30-er werden mich hassen, die 50-er werden mich töten wollen, die 80-er werden gar nichts machen (können), die sind richtig i.A…!“ Diese und andere Warnungen und das beeindruckende Höhenprofil hatten mich sich für die 53-km-Strecke entscheiden lassen. Mal sehen wie es geht, dachte ich, die 80er-Strecke kann ich ja auch später noch versuchen!

alfeld markt panorama  Schneewittchentrail



Während die 80er-Läufer bereits um 6 Uhr auf Tour gegangen waren, stand ich pünktlich um 8 Uhr mit den 30er- und 53er-Kandidaten vor dem Hotel, hörte die letzten mahnenden Worte von Michael zur Schwierigkeit des Parcours, den Glockenschlag der gegenüberliegenden Bergkirche um 8 Uhr und beim Verklingen des letzten Schlages die Worte: „Habt ihr das nicht gehört? Also was macht ihr hier noch, haut ab jetzt!“

 Schneewittchentrail Alfeld Schlafmuseum  Schneewittchentrail Alfeld Leine Fagus-Werk UNESCO Welterbe  Schneewittchentrail Start 53 km  Schneewittchentrail kurz nach dem Start

 Schneewittchentrail Alfelder Bergland  Schneewittchentrail Leine Bergland  Schneewittchentrail unbemannter Verpflegungspunkt  Schneewittchentrail Ultratrail durch schroffe Wälder

Nach 7:55 Stunden lagen 54,4 km (durch zwei Verhauer) und ca. 2500 positive Höhenmeter hinter mir. Dazwischen lagen Singletrails über Singletrails, steile An- und Abstiege, Modderwege, Schlamm, Gras, zu überkletternde umgestürzte Bäume, und, und, und … Aber was nicht dazwischen lag: ein Tiefpunkt! Trotz der 103 km nur zwei Wochen zuvor bin ich bestens über die Strecke gekommen, hätte sogar trotz späteren Starts nach 45 km fast die Cut-Off-Zeit für die 80 km geschafft und war nach dem mit Abstand schönsten und abwechslungsreichsten Trail, den ich bisher gelaufen bin, einfach glücklich im Ziel.

 Schneewittchentrail 1. Verpflegungspunkt  Schneewittchentrail Downill nach der ersten Runde  Schneewittchentrail die ersten 30 km sind geschafft  Schneewittchentrail auf in die zweite Runde

 Schneewittchentrail Blick auf Alfeld an der Leine  Schneewittchentrail Grillwurst nach 44 km  Schneewittchentrail auf dem Weg ins Ziel  Schneewittchentrail im Zielraum - geschafft

Egal, wie erschöpft die Teilnehmer auch waren, hier hat wohl jeder lächeln müssen: die Medaille hat – man hätte es erwarten können – die Form eines Apfels, die auf Folie gedruckte Urkunde – damit man sie sich an den Spiegel  Schneewittchentrail die Urkundehängen könne – kürte einen zum härteren Ultraläufer, als die böse Königin. (Siehe Foto) Eine verdammt originelle Idee, finde ich!

Was neben dem viehischen Muskelkater in den Armen bleibt - unterstützendes Laufen mit Stöcken habe ich eben nicht trainiert, ich konnte die Dinger am Ende kaum noch anheben – ist die Erinnerung an ein tolles Laufevent, für das ich die richtigen Worte nicht finden kann. Ich probiere es deswegen erst gar nicht sage einfach nur Danke an Michael, Susanne, Silvia und Mario für Eure Liebe zum Trailrunning und für Eure etwas verrückten Köpfe. Ja, die müssen (positiv) verrückt sein – denn wie kommt man sonst auf sowas ;)

Meine Aufzeichnung mit GARMIN Oregon - witzigerweise hat das Gerät 54,4 km angezeigt, dazu 2900 hm - GPSies hat da vollkommen andere Zahlen draus gemacht:

Distanz: Kilometer
Höhe (min): Meter
Höhe (max): Meter

download track

 

Ultramarathon Nowe Granice vor dem StartZielsuche
II. Ultramarathon Nowe Granice

Ich stehe vor einem See und kann es nicht fassen! Nach 102 km ist der Weg zu Ende, ich habe mich verlaufen! Und das bei einer ausgezeichnet markierten Laufstrecke! Ich muss etwas übersehen haben, aber wo? Stirnlampe aus, Bildausschnitt am GPS-Gerät vergrößert *), aha, ich muss zurück! Ich laufe los. Wald, nichts als Wald! Das gibt es doch nicht! Ich muss doch irgendwo her gekommen sein! Wieder der Blick auf den Bildschirm, Sch…, ich bin noch weiter ins Nirvana gelaufen.

Gerade war das Rennen noch im Kasten, jetzt, 1 km vor dem Ziel, rast mir die Zeit davon! Ich schaue hektisch auf die Uhr: 20:14 Uhr. Ich habe noch schlappe 16 min bis zum Zielschluss. Ich höre die klaren Worte des Racedirectors beim Briefing für die englischsprachigen Teilnehmer: „20:30 Uhr ist Zielschluss, wer dann noch kommt, ist willkommen, wird aber nicht mehr gewertet!“

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