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Jizersky Ultratrail Aufstieg nach JiserkaEin Skihang geht doch noch, oder?
Jizersky Ultratrail 2015

„Auf den tollen Lauf!“ Wiese und ich heben unsere Biergläser und stoßen an. „Und auf die letzten Meter!“
Wir sitzen in der Talstation des Skiliftes von Josefuv Dul und blicken den Skiabfahrtshang nach oben. Dort laufen, nein, besser schleichen, Gleichgesinnte den steilen Anstieg hinauf. Vor uns liegen noch ca. 2 km mit 250 Höhenmetern, dann wird er geschafft sein, der Jizersky Ultratrail, eine Schrumme über 68 km mit 2650 hm im Auf- und Abstieg.
Plötzlich ruft Wiese: „Da ist ja Steffen!“
Das darf doch nicht wahr sein, man, er hat sich erholt …
Schnell trinken wir aus und los geht es – in Richtung Ziel.
Gleich beenden wir das, was 12 Stunden zuvor begonnen hatte …

Thomas Rosse hatte uns am Rande des Jizerska50 im September 2014 von diesem Lauf berichtet und unser Interesse geweckt. Fast vor der Haustür gelegen, akzeptable Streckenlänge, hinnehmbare Höhenmeter und vor allem günstige Kosten – Läuferherz, was willst du mehr!

Für die angekündigte Hitze hatten Wiese und ich gut trainiert, aus den „Trinkfehlern“ des JUNUT hatte ich gelernt und sogar trainiert hatte ich – da war die Rechnung einfach: kürzer als Rennsteiglauf, also eine Stunde schneller, einige Höhenmeter mehr, zwei Stunden Aufschlag – klar: in zehn Stunden ist das Ding zu machen!

Jizersky Ultratrail JUT LogoEs war einmal mehr ein typischer Fall von „Denkste“, und auch das war schneller klar, als gedacht.

Als sich um 7 Uhr 275 Läufer/innen, darunter Volker Roßberg, Steffen Große, Dirk Wiesner und ich auf Starthöhe 835 m ü. NN in Bewegung setzten und es erst einmal locker 2,7 km und 200 hm bergab ging, war klar, dass es das am Ende auch wieder hinaufgehen muss.
Aber Leute, das was dazwischen lag … Gleich der erste Gegenanstieg mit mehr als 200 hm: ein Skiabfahrtshang! Dann 300 hm runter – durch einen Bach! Wo gibt’s denn sowas?! Wieder mehr als 200 hm hoch – ein extrem steiler Skihang … und, und, und!
So geht es fast den ganzen Tag weiter, das alles in teils traumhafter Landschaft, mit herrlichen Trails, tiefen Tälern mit schroffen Steinen und wilden Wassern – nur im Mittelteil lange Geraden, Beton, Asphalt, kein Schatten – und Hitze, Hitze, Hitze.
Um 16:20 Uhr in Bedrichov, Kilometer 56, werden 32 Grad angezeigt. Aber es sind nach etwas mehr als neun Stunden auch nur noch 12 km. Klar ist die 10 nicht mehr zu schaffen, aber knapp unter elf wird es werden. Dachte ich!

Jizersky Ultratrail vor dem Start Jizersky Ultratrail Start in Josefov Dul Jizersky Ultratrail Downhill Trail Jizersky Ultratrail Hindernisse auf dem Trail

Jizersky Ultratrail Flussdurchquerung Jizersky Ultratrail Skihang hinauf Jizersky Ultratrail auf zum Stausee Jizerka Jizersky Ultratrail in Jizerka im Restaurant

Volker – seinen Bericht findest du hier – war in beeindruckender Form und tatsächlich kurz vor dem Ziel. Er kommt später nach 10 Std. 9 min sehr weit vorn an.
Ich war inzwischen auf Wiese und Steffen aufgelaufen, der Rest sollte nun gemeinsam bewältigt werden. Aber Steffen musste der Strecke und der Hitze Tribut zollen, es ging kaum noch. Eine Mineraltablette sollte ihm helfen, wir mit Wiese setzten unser Tempo nun allein fort. 17:30 Uhr, nur noch ca. 6,5 km vor dem Ziel, erreichte uns die Nachricht von Volkers Zieleinlauf – klasse, wir sind auch gleich da!
Was wir nicht wussten: jetzt bekam der Lauf seine Krone aufgesetzt, das Wörtchen Trail bekam seinen I-Punkt!
Weglos und richtig schwer ging es talwärts, weiter auf kaum erkennbarem Pfad entlang eines Bachlaufes, über einen Baumstamm über den Bach – und dann endlich, in Josefuv Dul, mal wieder etwa 200 m flach – in Richtung Skihang, dem finalen Anstieg.

Jizersky Ultratrail lange sonnige Geraden Jizersky Ultratrail mit Max in Na Kneipa Jizersky Ultratrail Abstieg nach Heinitze Jizersky Ultratrail Aufstieg in Richtung Bedrichov

Jizersky Ultratrail Ankunft in Bedrichov Jizersky Ultratrail VP Bedrichov Jizersky Ultratrail Skihang Bedrichov hinauf Jizersky Ultratrail Ausftieg von Janov zum Severak

Wir waren uns mit Wiese schnell einig: ob eine elf oder zwölf bei der Zielzeit vorn steht, das ist uns jetzt egal, wir gönnen uns hier in der Talstation ein kühles Bier vor dem Finale!
Ja, und plötzlich ruft Wiese: „Da ist ja Steffen!“ Das darf doch nicht wahr sein, man, er hat sich erholt, schleppt sich den Hang hinauf, winkt auf unser Rufen zurück.
Schnell trinken wir aus und los geht es – in Richtung Ziel.

Bald haben wir Steffen ein. Ja, er hat sich erholt, aber nun ist er wohl total am Ende. Wir machen ihm Mut und warten – jetzt lassen wir uns den gemeinsamen Zieleinlauf nicht mehr nehmen, egal, wie lange es dauert!
Und es dauert! Wie viele andere auch schleicht Steffen nur noch, auch wir ziehen ordentlich Luft. Dann aber kommt der Moment des Tages! Steffen weigert sich zwar bis kurz vor dem Ziel strikt, auch nur noch einen Meter zu rennen – rennt dann aber trotzdem – und zu dritt überqueren wir nach 12 Std. 17 min glücklich die Ziellinie.

Jizersky Ultratrail weglos abwärst nach Josefov Dul Jizersky Ultratrail Flussüberquerung auf Baumstamm Jizersky Ultratrail Bier am Skihgang Josefof Dul Jizersky Ultratrail im Ziel

Ein irres Rennen, eine tolle Landschaft, bei allen Leiden hat das wahnsinnig Spaß gemacht! Und das Gefühl, mit guten Freunden nach solch einer Strapaze gemeinsam die Ziellinie zu überlaufen – mit Steffen hatte ich das 1982 und mit Wiese 2009 jeweils beim Rennsteiglauf erstmals erlebt – ist gewaltig!

Zum Lauf selbst:
Alle Informationen findest (Nachtrag 2918: den Lauf gibt es leider nicht mehr!), Google-Übersetzer macht dir alles verständlich, und bringt dich wegen der teils dämlichen Übersetzung zum Lachen.
Ich kann den Lauf nur empfehlen, muss aber deutlich sagen, dass hier nur starten sollte, wer auch wirklich trailen will und kann. Das alles ist kein Spaß mehr! Dafür spricht auch, dass von 275 Startern 39 ausgeschieden sind und die Masse hier deutlich langsamer unterwegs war, als ein „normaler“ Trail dauern dürfte.

Bilder dieses beitrages stammen auch von Dirk Wiesner und Almuth Dictus

 

Mein mit Garmin Oregon 300 aufgezeichneter Track,
wegen des Teil schlechten Empfanges etwas länger und wenige Höhenmeter mehr, aber für GoogleEarth eine gut nachvollziehbare Runde ;)

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